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19.07.2022

Investitionen in deutsche Start-ups auf hohem Niveau – trotz starker Marktunsicherheiten

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Bei der Anzahl der Finanzierungsrunden sieht es ähnlich aus: minus 7% standen in den ersten sechs Monaten zu Buche. Doch auch die Anzahl der Finanzierungsrunden liegt weiter deutlich über den Werten der Jahre vor 2021.

Nach Rekordjahr 2021 gehen Wert und Anzahl der Finanzierungsrunden zurück

Mehr als 6 Mrd. € Risikokapital flossen im ersten Halbjahr 2022 in deutsche Start-ups. Die ersten sechs Monate des Jahres 2022 markieren damit das zweitbeste erste Halbjahr für die deutsche Start-up-Branche aller Zeiten. Das Investitionsniveau bleibt im Vergleich zu den vergangenen Jahren weiter hoch – von dem vielfach befürchteten Einbruch ist laut des EY-Start-up-Barometers noch nichts zu sehen. Es ist immer noch viel Liquidität im Markt – Investoren schauen aber genauer, wo sie investieren, stellen die Studienautoren fest. Geopolitische Unsicherheiten, die Zinswende und unklare wirtschaftliche Aussichten würden für starke Unsicherheit im Markt sorgen, die in den Zahlen des ersten Halbjahres möglicherweise noch nicht vollständig reflektiert sei.

Berlin bleibt Start-up-Hauptstadt

Auch im ersten Halbjahr 2022 war Berlin wieder der Hotspot der deutschen Start-up-Szene: In der Hauptstadt gab es 219 Finanzierungsrunden – mehr als in Bayern (118), Nordrhein-Westfalen (59) und Hamburg (38) zusammen. Allerdings ging die Anzahl der Runden in Berlin stark zurück – im ersten Halbjahr 2021 waren es mit 264 fast 50 mehr. In den meisten anderen Bundesländern blieben die Zahlen dagegen stabil, beziehungsweise legten sogar leicht zu.

Das meiste Kapital für deutsche Jungunternehmen fließt auch in Summe weiter nach Berlin: Mehr als jeder zweite in Start-ups investierte Euro landet in der Hauptstadt – 3,25 Mrd. € sind es im ersten Halbjahr 2022, 868 Millionen weniger als im Vergleichszeitraum 2021. Bayern belegt mit 1,16 Mrd. € den zweiten Rang, allerdings hat sich das Investitionsvolumen hier im Vergleich zum Vorjahres-Halbjahr halbiert. Deutlich zulegen konnten hingegen Hamburg (414 Mio. € gegenüber 110 Mio. € im Vorjahr, plus 275%), Hessen (303 Mio. € gegenüber 128 Mio. € im Vorjahr, plus 240%) und Sachsen (280 Mio. € gegenüber 134 Mio. € im Vorjahr, plus 110%).

Das Start-up-Herz Deutschlands schlägt weiter in der Hauptstadt. Moderne, internationale Metropolen wie Berlin ziehen Menschen an, hervorragend ausgebildete Talente aus dem In- und Ausland wollen hier hin, erklären die Studienautoren. Das sei gerade in Bezug auf den anhaltenden Fachkräftemangel ein Wettbewerbsvorteil – und auch ein Argument der Jungunternehmen gegenüber Investoren. Die sehr guten Zahlen etwa aus Hessen und Sachsen zeigen aber auch, dass ein Start-up mit der richtigen Idee und einem vielversprechenden Plan in jedem Teil Deutschlands Erfolg haben kann, ergänzen die Studienautoren.

Hard- und Software sowie Energie besonders gefragt

Vier Branchen erhielten im ersten Halbjahr 2022 Finanzierungssummen jenseits der 700 Mio. €-Schwelle: Das meiste Risikokapital floss in den Bereich Software & Analytics. Die Branche brachte es auf ein Gesamtvolumen von mehr als 1,8 Mrd. € und konnte den Wert des Vorjahreszeitraums damit knapp stabil halten.

Finanzierungsboom im Bereich Energy – FinTechs und InsurTechs verlieren

Einen regelrechten Finanzierungsboom gibt es dagegen im Bereich Energy: Mehr als 900 Mio. € an Investitionen flossen in die Branche – gut 870 Mio. € mehr als im ersten Halbjahr 2021. Dahinter folgt der Bereich Mobility mit einem Finanzierungsvolumen von 844 Mio. € – in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 war es mit 1,41 Mrd. € allerdings noch fast doppelt so hoch. Noch deutlicher war der Rückgang bei FinTechs und InsurTechs: Hier sank das Finanzierungsvolumen von mehr als 2 Mrd. € in der Vorjahresperiode auf rund 760 Mio. € im diesjährigen ersten Halbjahr.

Zahl der Top-Deals genauso hoch wie im Vorjahreszeitraum, Investitionsvolumen aber niedriger

Im ersten Halbjahr 2022 gab es 15 Top-Deals mit einem Volumen von mehr als Mio. €, im Vorjahreszeitraum waren es genauso viele. Die größten Finanzierungsummen erhielten das Logistik-Start-up Forto (229 Mio. €), und der Online-Broker TradeRepublic (227 Mio. €) – beide Jungunternehmen sitzen in Berlin. Die Schallmauer von 200 Mio. € knackten außerdem Taxfix (Berlin), 1Komma5° (Hamburg) und Hy2gen (Hessen).

Trend zu Investitionen in nachhaltige Geschäftsmodelle

Nachhaltigkeit spielt generell eine immer größere Rolle bei den Investitionen in deutsche Start-ups: Waren es im ersten Halbjahr 2021 909 Mio. €, die in diesen Bereich investiert wurden (12% der Gesamtsumme), waren es in der ersten Jahreshälfte 2022 mit 1,1 Mrd. € (18%) noch einmal deutlich mehr – und das bei einer niedrigeren Gesamtsumme als im Vergleichszeitraum.

Geldanlagen in nachhaltige Geschäftsmodelle liegen im Trend. Die Zahl der Investitionen in diesem Bereich wird in Zukunft weiter steigen und noch wichtiger werden, prognostizieren die Autoren des Start-up-Barometers, denn auch in Anbetracht der aktuellen geopolitischen Situation mit unsicheren Versorgungslagen, z.B. im Energiebereich, zeigen erfolgreiche Start-ups, dass ihre Produkte und Dienste schon jetzt helfen können.

Das aktuelle EY-Start-up-Barometer können Sie hier kostenlos bestellen.

(Pressemitteilung EY vom 15.07.2022)


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