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02.03.2022

Mehr Topmanagerinnen: Frauenanteil in Vorständen erreicht neuen Höchststand

In den Vorständen börsennotierter deutscher Unternehmen gibt es laut des EY Mixed Leadership-Barometers 2022 zufolge so viele Frauen wie noch nie. In etwa der Hälfte der Firmen sitzt aber noch immer keine Managerin in der Leitung. Die Zahl weiblicher Vorstände in den börsennotierten Unternehmen in Deutschland ist auf einen neuen Höchststand gestiegen: Von den insgesamt 700 Vorstandsmitgliedern sind 94 weiblich. Damit stieg die Zahl der Vorständinnen innerhalb eines Jahres um 20. Der Anteil weiblicher Vorstände ist im Jahresvergleich um 2,4 Prozentpunkte auf 13,4% gestiegen – auch dies ist eine Höchstmarke im Betrachtungszeitraum seit 2013. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Struktur der Vorstände der 160 im DAX, MDAX und SDAX gelisteten Unternehmen, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zweimal jährlich durchführt. Seit Januar 2017 hat sich der Frauenanteil demnach von damals 6,7% auf aktuell 13,4% verdoppelt. Allerdings kommen derzeit 52% aller börsennotierten Unternehmen ohne eine einzige Frau im Vorstand aus – vor einem Jahr lag der Anteil bei knapp 62%. Und bei gerade einmal neun der untersuchten 160 Unternehmen trägt eine Frau als Vorstandsvorsitzende die Gesamtverantwortung.

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Beim Frauenanteil gehen die DAX-Unternehmen mit gutem Beispiel voran: Der Anteil an Vorständinnen in den 40 DAX-Konzernen beträgt aktuell 18,1% (Vorjahr: 13,9%). In 78% der Unternehmen entscheidet inzwischen mindestens eine Frau im Vorstand mit, nur noch 22% haben aktuell kein weibliches Vorstandsmitglied.

13% der Vorstandsmitglieder in DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen sind weiblich

Die anderen Indizes können da nicht mithalten: Im MDAX machen Frauen 11,1% der Vorstände aus (Vorjahr: 9,8%) und im SDAX nur 10,8% (Vorjahr: 9,2%). Die überwiegende Mehrheit von 62% der Unternehmen im MDAX und von 61% im SDAX verfügt über ein ausschließlich mit Männern besetztes Vorstandsgremium. Weibliche CEOs bleiben eine Ausnahmeerscheinung: Von den 160 untersuchten Unternehmen werden derzeit nur neun von einer weiblichen Vorstandsvorsitzenden geleitet.

52% der Unternehmen mit rein männlich besetzten Vorständen

Die deutschen Vorstandsgremien werden laut der Studie weiblicher, aber der Wandel findet sehr langsam statt. Derzeit sieht sich im Durchschnitt eine Frau sechs Männern gegenüber. Ließe man den Dingen ihren Lauf, würde es wohl noch Jahrzehnte dauern, bis die Vorstandsposten jeweils zur Hälfe mit Männern und Frauen besetzt wären, stellen die Studienautoren fest. Man kann zur seit August 2021 gültigen Frauenquote für Vorstände stehen, wie man wolle – aber man könne davon ausgehen, dass sie den Anteil von Frauen im Vorstand in kurzer Zeit signifikant steigern werde.

Börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen, deren Vorstände bislang rein männlich besetzt sind, müssen nun bei der Nachbesetzung von Vorstandsposten mindestens eine Frau berufen, wenn das Gremium aus mehr als drei Personen besteht. Immerhin 83 der 160 untersuchten Unternehmen werden derzeit von einem ausschließlich mit Männern besetzten Vorstand geführt.

In neun von 160 Unternehmen trägt eine Frau als CEO die Gesamtverantwortung

Die Studienautoren ist optimistisch, dass das sog. „Zweite Führungspositionen-Gesetz“ zu einem Kulturwandel beitragen kann. Wenn in den kommenden Jahren immer mehr Frauen an den Unternehmensspitzen stünden, werde das eine enorme Signalwirkung entfalten. Denn jungen Frauen fehlen der Untersuchung zufolge immer noch ausreichend weibliche Rollenvorbilder, die ihnen vormachen, dass sie ein Unternehmen lenken können.

Laut der Studie darf die Verantwortung aber nicht nur bei den Unternehmen liegen. Viele Unternehmen haben die Frauenförderung mit Mentoringprogrammen, Netzwerkgründungen und Weiterbildungen in den vergangenen Jahren schon deutlich vorangetrieben. Vielmehr müsse sich auch die gesamte Gesellschaft von tradierten Rollenbildern trennen – es gehe nicht nur darum, Frauen bessere Karrieremöglichkeiten zu ermöglichen. Es geht auch darum, dass Männer verstärkt bereit sind, sich um Haushalt und Familie kümmern, so die Forderung der Studienautoren.

Telekommunikationsbranche mit höchstem Frauenanteil

Über alle Indizes hinweg stehen derzeit vor allem in der Telekommunikationsbranche Frauen an der Spitze: 19,2% der Vorstandsmitglieder sind weiblich. In der Automobilbranche – die gemeinhin als von Männern dominiert gilt – sind immerhin 18,8% der Vorstände weiblich. Besonders niedrig ist der Frauenanteil dagegen bei IT-Unternehmen (11,4%), Industriekonzernen (10,7%) und Medienunternehmen (7,0%).

Stand jetzt sind nur 10% der Vorständinnen als CEO für die Unternehmensführung in den untersuchten börsennotierten Unternehmen zuständig. Mit 29% verantworten die meisten Frauen das Personalressort. Jeweils 23% sind für operative Teilbereiche des Geschäfts oder das Finanzressort zuständig.

Das EY Mixed Leadership-Barometer 2022 steht hier zum Download.


Pressemitteilung EY vom 07.01.2022

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